Mit Lernfabriken digitalisierte Produktion begreifen & voranbringen

Die Implementierung digitaler Tools kann Arbeitsabläufe erleichtern. Diese helfen dabei, effizienter, flexibler und nachhaltiger zu produzieren und das Potenzial von Produktionsdaten voll auszuschöpfen. Die passende Lösung – eine mit der man richtig umgehen kann – ist jedoch entscheidend. Industrieunternehmen benötigen Mitarbeiter mit den entsprechenden Kompetenzen. Lernfabriken wie die LEAD Factory bieten die einzigartige Möglichkeit, den Mehrwert und die Handhabung von Digitalisierungslösungen zu vermitteln.

Digitalisierung als Schlüssel zu Produktionseffizienz und -qualität

Industrieunternehmen befinden sich nach wie vor im digitalen Wandel, weshalb immer mehr digitale Anwendungen zum Einsatz kommen. Diese Technologien nutzen jedoch nicht nur bereits vorhandene Daten, sondern erzeugen auch ständig neue. Ohnehin entsteht derzeit die größte Datenflut durch automatisierte Fertigung und obwohl das produzierende Gewerbe deutlich mehr Daten generiert als etwa Handel oder Finanzbranche, ist hier längst noch nicht das volle Potenzial ausgeschöpft [1].

Um mit digitalen Daten und Technologien umgehen zu können, benötigen Mitarbeiter:innen in der Industrie entsprechende Kompetenzen. Insbesondere Klein- und Mittelunternehmen (KMU) haben oft nicht die Möglichkeit eigene Experten(teams) nur für Digitalisierungsthemen zu beschäftigen und gelten auch deshalb als „digitale Nachzügler“.

Eine Lösung mögen passende Trainingsprogramme sein: Einerseits, um neue Technologien und deren Mehrwert kennenzulernen und andererseits, um sich mit deren Nutzung vertraut zu machen. Als besonders effektiv gelten praxisorientierte Schulungen, da Wissen und Fähigkeiten durch Anwendung dauerhaft vermittelt werden können. Dem hohen Bedarf an solchen Weiterbildungsformaten stehen wenige physische Lernumgebungen gegenüber, welche eine realitätsnahe Infrastruktur aufweisen [2].

Kompetenzaufbau durch Lernfabriken

Eine besondere Rolle nehmen in dieser Hinsicht Lernfabriken ein, die eine Produktionsumgebung nachstellen und Digitalisierung erlebbar machen. So bildet die LEAD Factory am Institut für Innovation und Industrie Management der TU Graz die Montagelinie eines handelsüblichen Scooters nach. Dort werden insbesondere die Themen Lean Production, Energieeffizienz, Agile Produktion und nicht zuletzt Digitalisierung (LEAD) adressiert. Teilnehmer lernen seit 2014 in interaktiven Übungen ineffiziente Prozesse zu identifizieren, Maßnahmen abzuleiten und Lösungen für eine moderne und effiziente Produktion umzusetzen. Dabei haben sie stets die Möglichkeit im realen Produktionsumfeld zu arbeiten, zuvor vermitteltes Wissen direkt anzuwenden und dadurch ihre Fähigkeiten und Kenntnisse zu erweitern.

Durch unterschiedliche Module können auch Schwerpunkte auf Produktionslogistik, Ergonomie und Fabrikplanung gelegt werden. Zum Thema Qualitätssicherung und Ressourcenproduktivität wird für ein Bauteil eine Fertigungslinie dargestellt.

Dabei demonstriert die LEAD Factory nicht nur modernste Technologien, sondern dient auch der Forschung.

Abhängig von den Inhalten und der Zielsetzung des jeweiligen Moduls können Teilnehmer durch kritisches Denken und Hinterfragen eigene innovative Lösungsansätze entwickeln. In jedem Fall werden durch den Austausch mit anderen Teilnehmern neue Perspektiven gewonnen und gemeinsame Lösungen erarbeitet. Wichtig ist uns, dass die Trainingsteilnehmer – egal ob Studierende oder Berufstätige – in der LEAD Factory mit Experten aus Industrie und Forschung in Kontakt treten und von deren Erfahrungen profitieren.

Wissenstransfer – Infrastruktur ist entscheidend

Für Trainingsteilnehmer aus der Industrie ist unser oberstes Ziel, dass diese erworbenes Wissen und erlernte Fähigkeiten direkt in ihrem beruflichen Umfeld anwenden und somit einen konkreten Beitrag zur Optimierung von Produktionsprozessen leisten. Ohne Equipment, welches den aktuellen Stand der Technik widerspiegelt, bleibt jedoch selbst das didaktisch beste Lehrkonzept hinter seinen Möglichkeiten zurück. Im Falle der LEAD Factory bildet ein RFID-System das Rückgrat der allermeisten installierten Digitalisierungslösungen und ermöglicht etwa ein echtzeitfähiges Shopfloor-Management-Board. Hochauflösende Kamerasysteme zur Bilderkennung und unterschiedliche Sensoren erheben Daten, welche dabei helfen die Qualität zu sichern, Ausfälle zu minimieren und fehlerhafte Teile auszusortieren.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, stellen diverse Assistenzsysteme wie AR-Brillen, benutzerspezifische Arbeitsanweisungen und smart Andon sicher, dass die Scooter auch von ungeschulten Personen fehlerfrei montiert werden können. Ergänzend kommen VR-Modelle zum Einsatz welche die LEAD Factory komplett nachbilden und insbesondere die Umplanung der Montagelinie beschleunigen. Weiters kann die LEAD Factory im Kleinen zeigen, wie ein zukunftsfähiges Energie-Monitoring von Fabriken und Produktionsnetzwerken aussieht.

Ja zur Digitalisierung – aber nicht zu jedem Preis

Bevor ein Unternehmen einzelne Prozesse und Aspekte digitalisiert, sollten die betroffenen Abläufe effizient ausgestaltet sein. Denn Verschwendung wird auch durch modernste Technik nicht wertschöpfend. Erst wenn die Tätigkeiten verschlankt wurden, sollte man sich Gedanken machen, was man sich von digitalisierten Arbeitsschritten erwartet und welche Hard- und Software die gewünschten Anforderungen optimal erfüllen. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung zeigt, welche Technologien sich wirklich auszahlen. Ganzheitliche Konzepte, welche sich eine Datenbasis teilen, sind isolierten Lösungen unterschiedlicher Anbieter vorzuziehen.

Ohne das Risiko eines Stillstands der Produktion können Digitalisierungslösungen erprobt und Mitarbeiter geschult werden.

Erneut kommen hier Lernfabriken wie die LEAD Factory ins Spiel, indem man sie als Spielwiese und Testfeld für Ideen und Konzepte begreift. Dies ist sicherlich einer der Gründe, warum eine zunehmende Zahl an Industrieunternehmen mittlerweile eigene Lernfabriken in Betrieb genommen hat.

Weitere Informationen zur LEAD Factory finden Sie auf der Institutswebsite der TU Graz.

[1] Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft (https://www.iwd.de/artikel/datenmenge-explodiert-431851/)

[2] Hulla, M., Herstätter, P., Burgsteiner, H., Moser, D., & Ramsauer, C. (2021). Design von Trainings in Lernfabriken und Makerspaces für KMUs in der digitalen Transformation. didacticum, 3(1), 83-101


Next Micro Event @LEAD Factory – powered by D2GO

Unser Gastautor Prof. Dr. Christian Ramsauer vom Institute of Innovation and Industrial Management der TU Graz, will vor allem KMU den Zugang zur digitalen Transformation erleichtern. Seine LEAD Factory dient dabei als Trainingsumgebung und vermittelt Wissen über Lean Management, Energieeffizienz, agile Produktion und Digitalisierung.

Digitalisiertes Know-how für fehlerfreies Assemblieren

DIGITAL2GO ist einer der Platin Partner der Independent Logistics Society und auch ein Sponsor der LEAD Factory. Für das aktuelle technische Equipment der Lernfabrik wird von DIGITAL2GO der ivii smartdesk zu Verfügung gestellt.

Wir freuen uns sehr, dass eines unserer nächsten Micro Events in Kooperation mit DIGITAL2GO und dem Institut für Innovation und Industrie Management der TU Graz stattfinden wird. Das Workshop in der Lernfabrik ist unser Highlight im November!

Überblick zum nächsten Micro Event der Independent Logistics Society:

  • Was: Lernfabrik-Workshop
  • Thema: Einstiegslösungen für KMU – Gelebte Digitalisierung & Hands-on-Learning
  • Datum: Mitte November 2024
  • Location: Institut für Innovation und Industrie Management, TU Graz
  • Hosts: Prof. Christian Ramsauer, IIM – TU Graz, Birgit Matzner, DIGITAL2GO und Kajetan Bergles, ILS

Stay tuned – more to come soon!

Veröffentlicht am
Prof. Dr. Christian Ramsauer
Leitung Institut für Innovation und Industrie Management, IIM – TU Graz

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