Bildung, Innovation und die nächste Generation

Wie Lehrlingsprogramme den Rahmen für eine strategische Diskussion über Zukunftskompetenzen setzen

Beim Main Event des Internationalen Logistiksommers (ILS) 2025 in Leoben wurde deutlich, dass Bildung und Innovation nicht abstrakt verhandelt werden können. Sie müssen erlebbar sein. Genau diesen Zugang wählte die Session „Bildung, Innovation und die nächste Generation“:

Den Auftakt machten Lehrlinge selbst, die ihr Ausbildungs- und Entwicklungsprogramm präsentierten. Erst danach folgte eine vertiefende Paneldiskussion mit Vertreter:innen aus Medien, Industrie, Stadtentwicklung, Coaching und Wirtschaft.

Der Auftakt: Lehrlinge geben Einblick in ihr Programm

Zu Beginn der Session stellten Lehrlinge ihr Programm vor, das fachliche Ausbildung bewusst mit Persönlichkeitsentwicklung, Reflexion und digitaler Kompetenz verbindet. In kurzen Einblicken beschrieben sie, was sie gelernt haben, wo sie gefordert wurden – und was für sie den Unterschied zu klassischen Ausbildungsformaten ausmacht.

Dabei ging es nicht um Selbstdarstellung, sondern um Lernprozesse: Verantwortung übernehmen, Feedback annehmen, sich im Team positionieren und den eigenen Platz im Unternehmen finden.

„Man lernt hier nicht nur den Beruf, sondern auch, wie man mit Herausforderungen umgeht“,

beschrieb eine Lehrlingsteilnehmerin ihre Erfahrung.

Diese Beiträge machten greifbar, worüber später diskutiert wurde: Kompetenzen entstehen nicht allein durch Fachwissen, sondern durch Haltung, Vertrauen und Lernräume.

Von der Praxis zur Einordnung: Übergang in die Paneldiskussion

Auf diese Einblicke aufbauend eröffnete sich die Paneldiskussion. Moderiert von Harald Kopeter, wurde das Gezeigte eingeordnet, vertieft und aus unterschiedlichen Perspektiven reflektiert.

Am Podium diskutierten:

Thomas Gruber (ProSiebenSat.1 PULS 4), Markus Messics (Stadtgemeinde Leoben), Viktoria Zinner (Golden Mind), Peter Stelzer (ivii), Harald Egger (Pankl Racing Systems), Gottfried Bichler (Styria Media Group).

Der Fokus lag auf der übergeordneten Frage, wie Bildungssysteme, Unternehmen und Regionen gemeinsam jene Kompetenzen entwickeln können, die im Kontext von Künstlicher Intelligenz, Dekarbonisierung und geopolitischer Unsicherheit zunehmend entscheidend werden.

„Bildung, Innovation und die nächste Generation“ Session 
© ILS2025

Bildung neu denken: Kompetenzen statt Berufsbilder

Ein zentrales Thema der Diskussion war die Abkehr von starren Berufsprofilen hin zu übertragbaren Kompetenzen. Mehrere Panelist:innen betonten, dass es heute weniger darum gehe, junge Menschen auf konkrete Tätigkeiten vorzubereiten, sondern sie lernfähig, anpassungsfähig und reflektiert zu machen.

„Wir können nicht mehr sagen, wie Jobs in zehn Jahren aussehen. Aber wir können Menschen darauf vorbereiten, mit Veränderung umzugehen“,

lautete ein Kerngedanke aus dem Panel.

Gerade die Präsentationen der Lehrlinge zeigten, dass diese Form der Ausbildung bereits wirksam ist – und Vertrauen schafft, sowohl bei jungen Menschen als auch bei Unternehmen.

Peter Stelzer (ivii)
© ILS2025

Medien, Industrie und Region: Verantwortung teilen

Aus Medien- und Wirtschaftsperspektive wurde betont, wie wichtig Orientierung, Medienkompetenz und kritisches Denken geworden sind. Innovation ohne Einordnung führe schnell zu Überforderung – sowohl bei jungen Menschen als auch in Organisationen.

Industrievertreter machten deutlich, dass technologische Innovation nur dann nachhaltig wirkt, wenn sie von einer Lernkultur begleitet wird.

„Wir investieren bewusst in Menschen, nicht nur in Technologie“,

so ein Statement aus dem Unternehmensumfeld.

Auch die Rolle der Region wurde hervorgehoben: Städte und Gemeinden sind gefordert, Bildungs- und Innovationsräume zu schaffen, um Talente zu halten und Entwicklung zu ermöglichen.

Die Lehrlingssession beim ILS 2025 hat gezeigt, dass moderne Ausbildung dort besonders wirksam ist, wo fachliche Qualifikation, persönliche Entwicklung und digitale Kompetenz zusammengeführt werden. Lehrlingsprogramme, die junge Menschen ernst nehmen, Verantwortung ermöglichen und Orientierung bieten, leisten einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts. Sie fördern nicht nur Beschäftigungsfähigkeit, sondern auch Motivation, Bindung und Innovationsbereitschaft.

Harald Egger (Pankl Racing Systems) & Markus Messics (Stadtgemeinde Leoben)
© ILS2025

Ausblick

Die Impulse aus dieser Session werden in die weitere inhaltliche Planung von ILS365 einfließen. Auch 2026 wird die Förderung der Next Generation ein zentraler Bestandteil des Programms sein – mit einem klaren Fokus auf praxisnahe Ausbildung, Dialog zwischen Generationen und nachhaltige Fachkräftesicherung.

Denn die Diskussion in Leoben hat gezeigt: Die Qualität von Ausbildung entscheidet darüber, wie gut Wirtschaft und Gesellschaft auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet sind.

Veröffentlicht am von
Milica Knezevic Kusterer

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