#ILS2026

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ILS 2026 Recap | Transformation Act

„Das Echtere ist immer noch das Interessantere“

Als die Ankündigung kam, haben viele im Saal kurz gestutzt. Ein Musiker beim Logistik-Event? Eine Stunde später hatte sich die Frage erledigt. Smudo, Gründungsmitglied der Fantastischen Vier, hat mit seiner Band eine Branche durchlebt, die der Industrie bei der Digitalisierung um Jahre voraus war. Moderator Christian Clerici kennt ihn seit den frühen 90ern und holte zum Einstieg alte Fotos aus dem Archiv: Praterstadion, Kapuzenpulli, Ponytail. Dann wurde es ernst, und erstaunlich konkret. 

Ein Geschäftsmodell, das verschwunden ist 

Smudo erzählte die Disruption der Musikindustrie aus erster Hand. Die 90er seien „das Jahrzehnt, in dem die Künstlerinnen und Künstler noch am fairsten verdient haben“. Plattenfirmen zahlten Tour-Support, Musikfernsehen machte Bands groß. Wie schnell das kippte, beschrieb er an den Büros seiner Plattenfirma: erst ein halbes Hochhaus in Frankfurt, dann zwei Stockwerke in Berlin, dann eines, dann ein halbes. Der Tonträger, heute für ihn ein „fossiler Tonträger“, ist weg. „Das ganze Modell ist nicht mehr finanzierbar.“ 

Die schönste Geschichte für ein Logistikpublikum hatte er auch dabei. Weil „Tag am Meer“ zu früh im Radio lief, wollte die Single später kaum noch jemand kaufen. Die Presswerke in Holland hatten aber längst auf Hochtouren produziert. „Also dass man logistisch sich Wochen vorher überlegen muss, wie viel Tonträger stelle ich denn her, pack sie auf Paletten, und dann kann ich sie nicht verschiffen. Dumm gelaufen.“ Ein Hit ist der Song trotzdem geworden. 

Nostalgisch wurde Smudo dabei nicht. „Ich möchte aber nicht jemand sein, der sagt, früher war alles besser.“ Ehrlich ist er trotzdem: Wenn er heute 20 wäre, wisse er nicht, welches Feld er sich aussuchen würde. 

Smudo mit Christian Clerici

KI macht den Menschen wichtiger 

Die Fantastischen Vier haben nie Klavier oder Geige gelernt. Sie haben mit Rhythmusmaschinen und Samples gearbeitet, also mit Technik, die man damals belächelt hat. Entsprechend gelassen sieht Smudo die KI. Sie demokratisiere die Produktionsmittel noch einmal, heute könne man ein Lied skizzieren, ohne singen zu können. Den Künstler ersetze das nicht. „Ich finde, es macht den Menschen dahinter noch wichtiger, weil ich glaube, das Echtere immer noch das Interessantere ist.“ Und: „Am Ende sind wir alle Menschen, wollen Geschichten erzählt bekommen von anderen Menschen.“ 

Dasselbe Spannungsfeld kennt er vom Motorsport. Seit Jahren fährt Smudo mit seinem Team auf der Nürburgring-Nordschleife, früher mit Rapsöl, heute mit Bioethanol aus Reststoffen. „Wir haben ganz viele Motoren kaputt gemacht, leider dabei, aber wir haben viel gelernt.“ Sein Credo: „Ich mache Motorsport und trotzdem wähl ich Grün.“ 

Von der Walze bis zum Streaming 

Franz Mathi, COO der KNAPP AG, übersetzte die Musikgeschichte in Industriegeschichte. Edisons Walze war nicht skalierbar, das Grammophon schon, so wie die Dampfmaschine in der Fabrik. Motown Records funktionierte wie ein Fließband, und Gründer Berry Gordy stellte jede Woche dieselbe Frage: Würde jemand für diesen Song bezahlen? „Da hat man das Analogon in der Wirtschaft“, sagte Franz: Business Case und User Experience. Danach kamen CD, MP3 und Streaming, so wie in der Industrie EDV, Vernetzung und KI. 

Sein stärkstes Bild kam aus dem fahrerlosen Auto. Die KI sieht auch bei Regen genug, trotzdem läuft der Scheibenwischer. „Nicht weil das Auto das braucht, sondern weil wir das als Konsumenten brauchen.“ Technologie lasse sich nicht aufhalten, aber die Menschen müsse man „mitnehmen auf diese Reise“. Der Treiber sei am Ende nie die Technik, sondern der Use Case dahinter. 

Franz Mathi | Smudo

Ein Auftrag, aber kein zweiter 

Robert Machtlinger, CEO von FACC, erinnerte an die Anfänge seines Unternehmens: ein Start-up mit 20 Leuten aus einer Forschungsabteilung, das in die Luftfahrt wollte. Der Eigentümer erlaubte einen Auftrag, ausdrücklich keinen zweiten. „Haben wir den zweiten gemacht, den dritten, den vierten.“ Seither sei Transformation für FACC ein Dauerzustand. „Es wird nie wieder so langsam gehen, wie es jetzt ist.“ 

Damit Menschen da mitgehen, brauche es zwei Dinge. Erstens Klarheit: „Die Kunst ist, dass man komplexe Sachen simplifiziert und so vermittelt, dass es verständlich wird.“ Zweitens eine Geschichte, in der sich die Leute wiederfinden. Der Kern eines Unternehmens sei nicht das Produkt. „Der Kern des Unternehmens ist die Kultur, also das ist die DNA.“ 

Franz Mathi, Smudo, Robert Machtlinger und Christian Clerici

Mut, Angst und ein ehrliches „Ich weiß es nicht“ 

Zum Schluss ging es um ein Wort, das an diesem Tag oft gefallen war: Mut. Christian fragte, ob man nicht besser die Angst aus der Debatte nehmen sollte, statt ständig Mut einzufordern. Franz definierte Mut neu: „Mut hat damit zu tun, Grenzen zu verschieben, sich aus der Komfortzone zu begeben“, ohne das Risiko zu maximieren. Robert, selbst Pilot, warnte: „Zu viel Mut endet meistens irgendwo im Desaster.“ Man müsse sich nach vorne tasten und Vertrauen aufbauen. 

Smudo, ebenfalls Pilot, brachte die Antwort aus seiner Flugausbildung mit. Ein Fluglehrer fragte ihn, warum er einen bestimmten Knopf gedrückt habe. „Ich weiß es nicht.“ Die Reaktion des Lehrers: gute Antwort. Denn so wisse er, dass er einspringen kann, „und damit sind wir ein Team, was überlebt“. In seiner Band gilt dasselbe Prinzip seit Jahrzehnten: Jede und jeder darf sagen, wenn sich etwas nicht gut anfühlt, und am Ende folgt man der gemeinsamen Entscheidung, „weil ich vertraue euch“. 

Sein Appell an alle, die in der Öffentlichkeit stehen, passte zum ganzen Tag: Anstand zeigen, gute Geschichten erzählen und mit dem mutigen Blick nach vorne gehen statt mit dem traurigen nach hinten. „Wir können total viel gewinnen durch die Technologie, die wir gemeinsam als Menschheit erschaffen.“

Fotocredit: ILS365 | CH-photo

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