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ILS 2026 | Vom Abfall zur Ressource

Statt der geplanten Keynote von Philipp Pauer von der Reploid Group gab es im Block Gesundheit & Kreislaufwirtschaft ein Gespräch: Laurenz Hoffmann, Gründer und CEO von Alimentastic House of Brands, war kurzfristig eingesprungen und stellte sich den Fragen von Moderator Carsten Zimmermann. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie aus Schlachtblut und Sauermolke wieder ein Rohstoff wird. 

Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie 

Alimentastic begleitet Marken in den Handel und entwickelt Konzepte für Händler. Größter Kunde und zugleich Mitgesellschafter ist die Reploid Group AG, die Anlagen zur Verwertung organischer Reststoffe baut. Als Beispiele nannte Hoffmann Schlachtblut aus Schlachthöfen und Sauermolke aus Molkereien. Ein großer Teil davon wird heute entsorgt, was die Betriebe Geld kostet und Emissionen verursacht. 

In den Anlagen frisst die Larve der Schwarzen Soldatenfliege diese Reststoffe und wächst dabei stark. Hoffmann verglich es mit einem Feldhasen, aus dem ein Elefant wird. Die Larven werden zu Fett und Protein verarbeitet, die Rückstände gehen als Dünger in die Landwirtschaft, auch in die biologische. 

Laurenz Hoffmann mit Carsten Pieter-Zimmermann

Hühnerfutter statt Insektenburger 

Insektenprotein als Lebensmittel hält Hoffmann in Europa für chancenlos. „Wahrscheinlich würde keiner von uns in Europa tatsächlich Produkte aus Insektenprotein essen“, sagte er. Entsprechende Marken seien gescheitert. Alimentastic setzt deshalb auf Anwendungen, die Konsumentinnen und Konsumenten akzeptieren, etwa Hundefutter mit Insektenprotein oder Futter für Legehennen, das Soja ersetzt. Daraus entstehe ein „Kreislauf-Ei“. „Dass ein Huhn Insekten isst, ist für uns nicht abschreckend.“ 

Ein weiteres Beispiel sind Meisenknödel, die heute mit Rinderfett hergestellt werden. „Wir verfüttern an die Meise ein Rind“, sagte Hoffmann. Insektenfett könne das ersetzen. Weitere Einsatzfelder sind Sustainable Aviation Fuel und Biopolymere als Ersatz für Kunststoff. Mit einem großen internationalen Möbelhersteller forscht das Unternehmen an einem Klebstoff auf Basis von Insektenprotein.  

Einkäufer mit Handelsblick 

Hoffmann kommt aus dem Einkauf. Bei Aldi Süd baute er zuletzt das internationale Global Sourcing auf und leitete es, danach verantwortete er bei Kaufland den internationalen Einkauf für Frische. Über die Motive des Handels sprach er offen. Ohne Einsparungen oder Wettbewerbsvorteil bewege sich dort wenig, Nachhaltigkeit sei auch „ein bisschen das Schmücken mit Nachhaltigkeit“. „In Wahrheit darf es nichts kosten, es wird aber mehr bringen.“ 

Bei der Reststoffverwertung sieht er beides erfüllt. Die Unternehmen sparen Entsorgungskosten und erhalten einen Rohstoff, der zurück in Industrie und Handel geht. Für die Scope-3-Ziele der großen Händler, die stark an der Landwirtschaft hängen, hält er solche Verfahren für notwendig. 

Kurze Wege 

Reploid baut kleine, modulare Anlagen in der Nähe der Reststoffquellen. Mitbewerber setzen auf große zentrale Farmen, zu denen die Rohstoffe weit transportiert werden. „Da geht es wirklich darum, die Reststoffe in der Region zu sammeln und idealerweise auch in der Region dann wieder zu verwerten“, sagte Hoffmann. Wettbewerb aus China fürchtet er deshalb nicht. Anlagen und Software hat Reploid selbst entwickelt, „und dadurch sind wir auch sehr schwer kopierbar“. 

Zimmermann fragte auch nach dem Tierwohl. Die Larve habe kein Nervensystem und empfinde keinen Schmerz, antwortete Hoffmann. Nach seinen Wünschen für die Zukunft gefragt, sagte er: „Meine Wünsche erfüllen sich gerade.“ Jetzt gehe es darum, die Pläne so schnell wie möglich umzusetzen.

Fotocredit: ILS365 | CH-photo

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