#ILS2026

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ILS 2026 | Triple Transformation: Hunde, Erdbeeren und Batterien

Der Director des Center for Sustainable Production & Logistics bei Fraunhofer Austria Research, Martin Riester, löste das Rätsel um den Titel der Session erst in seiner Keynote auf. Danach folgten Thomas Nigl von der Montanuniversität Leoben und Franz Zagler von SPAR Österreich. 

Drei Säulen, ein Druck 

Martin Riester startete mit den Kräften, die von außen auf Lieferketten wirken: Geopolitik, seltene Erden, Demografie, Regulierung, Klimawandel, KI und die wachsende Komplexität der Produkte. Bei Hochleistungsmagneten etwa hängt Europa stark an Lieferungen aus China. In vielen Betrieben steckt das entscheidende Wissen in den Köpfen von Menschen, die bald in Pension gehen. Und die Leistungsfähigkeit von KI wächst schneller, als es das Mooresche Gesetz je vorgesehen hat. 

Daraus entsteht Druck in drei Richtungen gleichzeitig, auf Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Resilienz. Das ist für Riester die Triple Transformation. „Nur wenn Sie den Wandel in den drei Bereichen erfolgreich gestalten, wird das Unternehmen in der Zukunft noch erfolgreich sein.“ Die drei Bereiche beeinflussen sich gegenseitig. Digitalisierung etwa ermögliche neue Lösungen für Nachhaltigkeit und dürfe nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden. 

Dann kam der Hund. Fraunhofer hat für zwei Sanitärgroßhändler in Österreich und Deutschland einen Algorithmus entwickelt, der Bestände optimiert. Er arbeitet mit Deep Reinforcement Learning und lernt wie ein Welpe, der zuerst ratlos vor dem Stock steht und ihn irgendwann von selbst apportiert. Das Ergebnis sind deutlich niedrigere Bestände bei gleichem Service und damit mehr freier Cashflow. 

Die Erdbeere steht für ein Forschungsprojekt zur Kommissionierung. Paletten kommen oft so hoch ins Lager, dass Kommissioniererinnen und Kommissionierer am Regal hochklettern, „ob wir das jetzt wollen oder nicht“. Fraunhofer erforscht eine Steuerung, die Gewichte verteilt, Körpergröße berücksichtigt und künftig auch Vitaldaten für dynamische Pausen nutzen könnte. Riester sieht darin eine Win-win-Situation für Beschäftigte, Produktivität und Arbeitssicherheit. 

Christian Clerici mit Martin Riester, Thomas Nigl und Franz Zagler

Alles wird zu Abfall 

Thomas Nigl leitet an der Montanuniversität Leoben eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Recycling von Lithium-Ionen-Batterien, PV-Modulen und Wasserstofftechnologien beschäftigt. Kreislaufwirtschaft bedeutet für ihn, „Materialien so lang wie möglich und so viel wie möglich im Kreislauf zu halten“. Bei Holz und Metallen gelinge das gut. Insgesamt stehe Österreich aber schlechter da, als es sich selbst als „Recyclingweltmeister“ gern sehe, Länder wie die Niederlande, Belgien und Frankreich seien weiter. 

An der Kreislaufwirtschaftsstrategie des Bundes kritisierte Nigl, dass alle R-Strategien von Reduce bis Recycle gleich gewichtet würden. Am Lehrstuhl gelte ein einfacher Grundsatz: Alles wird zu Abfall, es ist nur eine Frage der Zeit. Deshalb brauche das Recycling mehr Gewicht, denn nur so kommen Sekundärrohstoffe zurück in die Produktion. 

Wie lange Forschung bis zur Anwendung braucht, zeigte er an seinen Leuchtturmprojekten. Aus langjähriger Forschung zum Batterierecycling ging eine Recyclinganlage von Saubermacher in Deutschland hervor. Beim PV-Recycling lief es anders: Grundsätzlich funktionierende Verfahren scheiterten an zu geringen Abfallmengen und fehlenden Investoren, bis ein Start-up alles anders und schneller machte. Bei Gipskarton und künstlichen Mineralfasern brachte erst die Regulierung Bewegung, inzwischen entstehen Lösungen in Österreich. 

Ausgediente Batterien sieht Nigl als Chance. Anders als der Diesel, der verbrannt in der Luft landet, bleibt eine Fahrzeugbatterie als Rohstoff erhalten. Sein Appell an die Branche: Entwicklungen bei KI nicht verschlafen. Schon beim Ausbau der Photovoltaik seien alle Prognosen von der Realität überholt worden. 

Martin Riester | Franz Zagler | Thomas Nigl

Das Lager neu denken 

Franz Zagler, Leiter Bereich Logistik & Warenfluss bei SPAR Österreich, korrigierte gleich zu Beginn die Anmoderation. Den Titel Cheflogistiker wollte er nicht stehen lassen, er verantworte die Logistik der Region Ost von St. Pölten aus. Dass seine Arbeit zur kritischen Infrastruktur gehört, bestätigte er gern: Die Geschäfte müssen jeden Tag voll sein, „egal ob es schneit“, ob Ende Oktober oder am 24. Dezember. 

Gemeinsam mit Fraunhofer hat SPAR das manuelle Lager in St. Pölten als digitalen Zwilling abgebildet. Die Daten aus mehr als einem Jahr zeigen, wo im Lager die meisten Wege anfallen. Das meistverkaufte Mineralwasser stand weit hinten, weit weg von den Ausgangstoren. Auf dieser Grundlage wird das Lager nun umgebaut. Außerdem werden Warengruppen in unterschiedlicher Frequenz geliefert: Mineralwasser oft, langsam drehende Artikel wie Tiernahrung seltener. Der Service für die Filialen bleibt gleich, die Kosten sinken. Ein manuelles Lager auch nur um wenige Prozent produktiver zu machen, „macht man nicht einfach mit einem Schnipper“, sagte Zagler. 

Automatisieren, um liefern zu können 

Im Gespräch unterschied Zagler zwischen Fachkräftemangel bei Lkw-Fahrern und Arbeitskräftemangel im Lager. Die Antwort darauf sei Automatisierung, im Lebensmittelhandel mit seinen engen Zeitfenstern eher als hybrides Konzept. Die klassische ROI-Rechnung verliere dabei an Bedeutung. „Es wird in fünf, sechs Jahren nicht mehr darum gehen, ob Automatisierung das und das kostet, sondern wir werden automatisieren müssen, um liefern zu können.“ 

Daten seien in der Logistik immer da gewesen, ihr Wert habe sich aber verändert. SPAR arbeitet daran, Datensilos aufzubrechen. Stammdaten prüft das Unternehmen selbst. „Ich weiß nach 26 Jahren noch immer, dass ich es selbst machen muss“, sagte Zagler. Für Obst und Gemüse hat der Konzern eine eigene Forecasting-KI entwickelt, und im automatisierten Lager in Ebergassing dreht ein Inspektionshund mit Sensoren seine Runden und soll Ausfälle vorhersagen, bevor sie passieren. 

Auch die Elektrifizierung der Flotte hat begonnen. SPAR habe bewusst gewartet, bis E-Lkw denselben Standard bieten wie Diesel-Lkw, mit Nutzlast, Ladebordwand und Kühlung. Heute fällt die Gesamtkostenrechnung zugunsten des E-Lkw aus. Disponentinnen und Disponenten sollen gar nicht darüber nachdenken müssen, welcher Lkw fährt. Geladen wird nur am eigenen Depot. Die Herausforderung der nächsten Jahre sei die Ladeinfrastruktur, „nicht das Fahrzeug selbst“. 

Nigl warnte beim digitalen Produktpass vor einem „Datengrab“, in das alle einspeisen und das niemand nutzen kann. Als positives Beispiel nannte er ein Schweizer Konsortium in der Photovoltaik, das den Produktpass von unten aufgebaut hat. Zuerst wurde geklärt, was jeder Beteiligte in der Lieferkette wirklich braucht. 

Fotocredit: ILS365 | CH-photo

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