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ILS 2026 | Nachhaltigkeit als Führungsentscheidung

Wie viele Stunden eine Förderanlage gelaufen ist und wann sie in die Wartung muss, weiß in der Logistik jede Betriebsleitung. „Aber wissen Sie denn eigentlich, wie es um die Energie Ihres Schichtleiters steht?“, fragte Julia Hoffmann am Morgen des 15. Oktober in der Helmut List Halle. Die Chief Scientific Officer der Biogena Group hielt dem Publikum vor, beim Menschen noch Reparaturmedizin zu betreiben, während Maschinen längst vorausschauend gewartet werden. 

Ein Bruch auf dem Weg zur Kaffeeküche 

Julia Hoffmann begann mit ihrer eigenen Geschichte. Eine Knochendichtemessung ergab eine Osteopenie, eine Vorstufe der Osteoporose. Sie arbeitete weiter wie bisher, bis sie sich im Büro auf dem Weg in die Kaffeeküche einen Knochen brach. „Wer viel leistet, ist nicht automatisch gesund“, sagte sie. Unternehmen kennten das Geburtsdatum ihrer Mitarbeitenden, „aber wir kennen nicht deren biologisches Alter, und wir reagieren erst dann, wenn die Krankmeldung auf den Tisch kommt“. 

Krankenstand ohne Ersatzteillager 

Ihre Argumentation stützte Hoffmann auf öffentliche Daten. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass durch Depressionen und Angststörungen weltweit rund zwölf Milliarden Arbeitstage im Jahr verloren gehen. Das WIFO beziffert die Kosten krankheitsbedingter Ausfälle in Österreich mit 5,8 Milliarden Euro jährlich, das entspricht 1,2 Prozent des BIP. Hoffmann nannte den Krankenstand „den teuersten ungeplanten Stillstand, den wir haben im Betrieb“. Anders als bei einer Maschine gebe es dafür kein Ersatzteillager. 

Auf die Frage, ob sich betriebliche Gesundheitsförderung rechne, verwies sie auf den Brandschutz, bei dem diese Frage niemand stelle. Eine Metastudie deutscher Krankenversicherer komme trotzdem auf 2,70 Euro Rückfluss pro investiertem Euro. Voraussetzung sei ein durchdachtes Programm, ein Obstkorb oder ein Yogakurs reichten dafür nicht. 

Julia Hoffmann

Kapazitätsplanung für Menschen 

Bei Biogena haben die Mitarbeitenden in der Wesentlichkeitsanalyse denselben Rang wie das Klima. Mehr zu tun, als die Berichtspflicht verlangt, bezeichnete Hoffmann als „klare Führungsentscheidung“. Eisbäder und teure Behandlungen spielten dabei kaum eine Rolle, entscheidend seien die Bedingungen im Betrieb. „Longevity ist eine Kapazitätsplanung“, sagte sie. Für Lager, Maschinen und Fuhrpark werde Kapazität geplant, für das Personal selten. 

Ausführlich ging Hoffmann auf Frauengesundheit ein. Beschwerden der Perimenopause setzen oft schon Mitte 40 ein, in den Jahren, in denen viele Frauen die größte Führungsverantwortung tragen. Fallen sie aus, gehen Erfahrung und Netzwerke verloren, die sich kaum nachbesetzen lassen. 

Preis oder Fehler 

In vielen Unternehmen gelte Erschöpfung noch als Statussymbol, mit Mails um Mitternacht und Erreichbarkeit im Urlaub. Hoffmann fragte den Saal: „Gilt Erschöpfung bei Ihnen als Preis oder als Fehler?“ Verordnen lasse sich Gesundheit nicht, betriebliche Programme funktionierten nur freiwillig. Die Strukturen dafür müssten aber die Unternehmen schaffen. 

Mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit sagte sie: „Technologie ist kopierbar, Prozesse sind kopierbar und Kapital ist beweglich. Was Ihnen niemand kopieren kann, sind erfahrene Menschen, die über Jahrzehnte gesund, klar und entscheidungsfähig bleiben.“ Am Ende kam sie auf das Bild vom Anfang zurück: „Sie würden nie Ihre Lkw-Flotte ohne Wartungsplan fahren lassen. Lassen Sie Menschen doch bitte auch nicht ohne fahren.“ 

Ihr Wissen zur Frauengesundheit hat Hoffmann gemeinsam mit dem Longevity-Mediziner Patrick Bantsich in einem Buch zusammengefasst. „Female Longevity. Gesundheit, Energie und Balance in jeder Lebensphase“ erscheint am 27. Jänner 2027 im Kneipp Verlag Wien. Es beschreibt, welche Biomarker in welcher Lebensphase relevant sind und welche Maßnahmen im Alltag helfen. Hoffmann bat das Publikum, das Buch einer Frau zu schenken, die ihnen wichtig ist. Das Thema betreffe Männer ebenso, „weil ihr habt wichtige Frauen in eurem Umfeld“.

Fotocredit: ILS365 | CH-photo

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