#ILS2026

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ILS 2026 Recap | Opening

Mal zehn statt drei Prozent 

„Wir reden zu viel über die Gefahren von KI und zu wenig über das, was sie möglich macht!“ Mit diesem Appell eröffnete Jörg Konwalinka, Head of Business Applications bei Microsoft Österreich, am 14. Oktober das ILS Main Event 2026, zum ersten Mal in der Helmut List Halle in Graz. Danach holte Moderator Christian Clerici Industrie, Land, Stadt und Kammer auf die Bühne. Die Botschaft des Vormittags: Fürchten bringt nichts. Anfangen schon. 

Die Lernkurve wartet nicht 

Wie weit KI im Arbeitsalltag schon ist, zeigte Jörg an seinem eigenen Team. Neben den Menschen arbeiten dort KI-Agenten mit eigener Identität und eigenem Speicher, sichtbar im Organigramm wie Kolleginnen und Kollegen. Sein Seitenhieb galt einer sehr österreichischen Gewohnheit: drei Prozent Verbesserung hier, fünf Prozent da, und alle sind zufrieden. „KI-zentrisches Denken ist mal zehn.“ 

Wer jetzt abwartet, spart sich die Lernkurve nicht, er schiebt sie nur vor sich her. „Wir zögern es nach hinten raus, das ist die einzige Konsequenz.“ Dass es dabei um Entlastung geht, zeigte er an den ÖBB. Im Contact Center erledigt KI die Routine, etwa die hundertste Anfrage zur Fahrpreiserstattung. Dafür bleibt Zeit für den Anruf von jemandem, der im Zug belästigt wurde. „Ich habe noch keine Person gesehen, die ersetzt wurde.“ Christian brachte es auf den Punkt: „Wir lassen uns helfen und fürchten uns nicht.“ 

Jörg Konwalinka

Neugier braucht Auslauf 

Markus Tomaschitz, Chief Human Resources Officer und Group Spokesman der AVL List GmbH, hat ein anderes Problem als viele erwarten würden. Seine Technikerinnen und Techniker muss er selten antreiben, eher bremsen. Führung heißt für ihn: Richtung vorgeben, Ressourcen klären und dann vor allem eines. „Steh nicht im Weg, lass zu.“ 

Gerald Hofer, CEO der KNAPP AG, kam direkt aus Asien. Sein Befund: Europas Unternehmen rechnen wie immer, Kosten plus ein bisschen Marge. In Asien und den USA lautet die Frage, wie viel Geld man verbrennen kann, bis kein Konkurrent mehr übrig ist. Panik sei trotzdem keine Strategie. Als die Initiative vor 23 Jahren als Think Tank startete, habe man über Digitalisierung gesprochen, und viele hätten abgewunken. Heute geht es um KI. „Die Zukunft kommt sowieso, ob wir uns fürchten oder nicht.“ 

Gerald Hofer mit Christian Clerici

Weniger jammern, mehr bauen 

Verkehrslandesrätin Claudia Holzer kommt selbst aus der Privatwirtschaft und sprach entsprechend direkt. Das Cargo Center Graz in Werndorf ist zu 97 Prozent ausgelastet, die nächste Erweiterung muss jetzt entschieden werden. Genehmigungsverfahren dauern zu lange. Wie sich langer Atem auszahlt, zeigt die Koralmbahn, an der 30 Jahre gearbeitet wurde. Ihre Ansage an den Saal: „Nur jammern hilft niemandem.“ 

Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer begrüßte das Publikum am „Innovations- und Forschungsstandort Nummer 1 in Österreich“. Das Land investiere auch bei knappem Budget in Kompetenzzentren und Mikroelektronik. Sensorik und Datenverarbeitung sollen wieder im eigenen Land entstehen. Von den zwei Tagen erwartet er konkrete Ergebnisse: „Aus Gesprächen sollte Erfolg werden.“ 

Herbert Ritter, Vizepräsident der WKO Steiermark, erinnerte daran, dass Logistik keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ist. Schon die Südbahn machte Graz zum Knotenpunkt. Sein Rezept für einen Hochlohnstandort ist ein starkes Netzwerk, aus dem man für jede Aufgabe den passenden Partner holt. „Zählen tut am Ende immer nur das Ergebnis.“ 

Prof. Helmut List mit Christian Clerici

Generationen an einem Tisch 

Kurt Hohensinner, Stadtrat für Bildung und Sport in Graz, forderte einen engeren Schulterschluss zwischen Schule, Wissenschaft und Wirtschaft. Ein Beispiel aus Straßgang: Seit die dortige Mittelschule einen Schwerpunkt auf Holz und Gestaltung setzt, gibt es eine Warteliste, und die Betriebe warten auf die Absolventinnen und Absolventen. Bei der Digitalisierung übte er Selbstkritik. Laptops seien zu früh gekommen, zuerst müssten Kinder sicher lesen, schreiben und rechnen. 

Wie gemischt das Publikum war, sah man spätestens beim Live-Voting mit Wolfgang Eder. Fast 200 Handys waren eingeloggt. Christian fragte in den Saal, wer „Aktenzeichen XY“ noch kennt. Kurz darauf ging es um die Frage, wie Eltern reagieren, wenn ihr Kind beim Abendessen verkündet: „Ich mache eine Lehre.“ Rund 40 Prozent im Saal stimmten für „Super“. Ein guter Übergang zur ersten Session, in der es genau darum ging: Lehre als Karriereweg. 

Herbert Ritter | Kurt Hohensinner | Willibald Ehrenhöfer

Warum Graz 

Zum Schluss standen die Gastgeber auf der Bühne. Kajetan Bergles hatte am Vorabend gemeinsam mit Nina Zechner den Kitchen Talk moderiert. Er begleitet das Projekt seit rund 15 Jahren, von Leoben bis nach Graz. Die Idee dahinter: ein Jahresthema gemeinsam mit den Partnern bespielen und dann alle an einem Ort zusammenbringen. Sein Wunsch für die Zukunft: Die Community soll weiter wachsen, gern bis in die große Halle B. 

Birgit Edlinger begründete den Umzug mit der Lage. Graz ist Wirtschaftsstandort und Verkehrsknotenpunkt mit wertvollen Verbindungen zu den Seehäfen vor der Haustür. „Ein volles Haus ist der beste Lohn.“ Das Leitmotiv „Digital Confirmation“ versteht sie als Realitätscheck: Was funktioniert schon, was nicht? Ihre Einordnung zur KI fiel bewusst nüchtern aus. „KI ist im Moment ein Assistent, und das wird auch noch die nächste Zeit bleiben.“

Birgit Edlinger | Kajetan Bergles

Fotocredit: ILS365 | CH-photo

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