#ILS2026

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ILS 2026 | Vom steirischen Weingarten zur Wertschöpfungskette

Eigentlich eine Wertschätzungskette

Klaus Domittner hatte sich gefreut, als er die Weinflaschen auf der Bühne sah. „Die Freude ist jetzt etwas verflogen, weil es keine Gläser dazu gibt.“ Kaum war das Wort gefallen, fuhr ein Roboter herein und brachte sie. Ein lockerer Einstieg in eine Runde, die am Nachmittag des 14. Oktober zeigte, wie viel Logistik in einer Flasche steckt. Moderator Christian Clerici fand dafür gleich das passende Wort: Die Kette vom Weingarten bis zum Glas sei „eigentlich eine Wertschätzungskette“. 

Der Weingarten kann nicht umziehen 

Christoph Neumeister, Winzer und Obmann des Steirischen Vulkanlands, hatte vorher dem Smudo-Talk zugehört und sich darin wiedergefunden. Auch in der Weinbranche gehe es ähnlich zu wie in der Musikindustrie. „Unser Beruf ist extrem komplex.“ Und ein Unterschied bleibt: „Uns kommt noch die Natur dazu, die sich leider nicht steuern lässt.“ Und der Weingarten kann nicht umziehen. „Leider können wir unsere Gegend nicht verlassen. Deshalb brauchen wir Logistik.“ 

Was einen guten Wein ausmacht, erklärte er mit dem ältesten Argument der Branche. „Du machst etwas aus dem Ort, wo du geboren bist oder wo du ein Weingut hast, und kein anderer kann es so machen wie du. Das nennt man Terroir.“ Massenware will er gar nicht machen: „Wir können keine Weine produzieren, die global getrunken werden, weil dann würden wir Coca-Cola produzieren.“ Verkauft werden die Weine trotzdem weltweit, an Liebhaber. Christophs Bild dafür knüpfte an den Smudo-Talk an: keine Stadionrockband, sondern eine Jazzband, die sich auf der ganzen Welt ihre kleinen Clubs sucht. 

Christian Clerici mit Christoph Neumeister, Markus Sturm, Andreas Grad und Klaus Domittner

Ein lebendes Produkt 

Andreas Grad, CEO von Transdanubia, kennt die andere Seite. „Wein an sich ist ein lebendes Produkt, und das gehört speziell behandelt.“ Jenseits der 30 Grad werde es kritisch, ideal gelagert wird zwischen 12 und 16 Grad. Je kleiner die Chargen, desto komplizierter der Transport, und österreichische Winzer produzieren nun einmal keine Massenchargen. Kein Logistiker könne das europaweit allein abbilden. Entscheidend seien deshalb Partner und Information, „damit hier nicht zwei Stunden die Palette in der Sonne steht“. 

Sein Weg in die Weinlogistik war ein persönlicher. Aus einer Runde von Weinfreunden wurde eine Einkaufsgemeinschaft und daraus irgendwann ein eigenes Geschäftsmodell, das junge Weine einlagert und erst trinkreif wieder auf den Markt bringt. Sein Antrieb: „Egal wohin man reist, wenn man österreichischen Wein mitbringt, dann ist man gerne willkommen.“ 

Der Nischenweltmeister 

Markus Sturm, CEO von Schwingshandl Automation Technology, sieht sein Unternehmen bewusst als Gegenstück zum KI-Hype. „Ich stehe für eine Firma hier, die Probleme von Kunden löst.“ Dafür brauche es Leute, die zuhören und mit Leidenschaft an Lösungen arbeiten. Sein Ziel ist klar formuliert: „Wir wollen der Nischenweltmeister sein.“ Die Wertschöpfung passiert in Holzhausen in Oberösterreich, die Exportquote liegt bei 99 Prozent, geliefert wird von Japan bis Südafrika. 

Sein Rezept klingt fast altmodisch und ist doch die Antwort auf viele Fragen des Tages. „Ich will einfach, dass wir so eine Firma sind, wie du sie gerne bei dir zu Hause hättest.“ Schuhe aus, freundlich sein, Probleme lösen. Österreichische Ausbildung, Servicegedanke und Handwerk hält er für zeitlos. 

Markus Sturm, Andreas Grad und Klaus Domittner

Ohne Bank keine Chance 

Bleibt die Finanzierung. Christoph erinnerte mit einem Augenzwinkern daran, dass ein Vorgänger von Klaus seinem „visionären Vater“ einst viel Geld geliehen habe. „Ohne Bank natürlich keine Chance.“ 

Klaus Domittner, Leiter der Region Südoststeiermark bei der Steiermärkischen Sparkasse, kommt selbst aus dem Vulkanland. Er erzählte von einem jungen Winzer aus einer Obstbaufamilie, der die Obstgärten rodete, Reben pflanzte und erklärte, er wolle seinen Wein nicht in der Steiermark verkaufen, sondern in Asien. Mit einem guten Businessplan und viel Herzblut eroberte er den japanischen Markt. Und er erzählte vom Jungwinzer-Wettbewerb der Sparkasse, bei dem ein Gast aus Deutschland so begeistert vom Welschriesling war, dass er an Ort und Stelle 500 Flaschen bestellte. Geliefert wird bis heute. Für Klaus ist das der Kern regionaler Finanzierung: „Förderung und Forderung.“ 

Der Abend klang dort aus, wo er hingehörte. Bei „After Stage. Uncorked.“ schenkten die steirischen Jungwinzer aus. 

Fotocredit: ILS365 | CH-photo

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