#ILS2026

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ILS2026 Recap | Ein Karriereweg, der Schule macht

„Gott sei Dank hast du eine Lehre gemacht“

Ein CEO, der 1986 als Lehrling angefangen hat. Ein Standortleiter, der seine Matura erst nach der Lehre nachgeholt hat. Und ein junger Speditionskaufmann, der mit der Österreich-Fahne auf die Bühne kommt, weil er gerade von den WorldSkills in Shanghai zurück ist. Am ersten Tag des ILS Main Event 2026 in der Helmut List Halle in Graz ging es um eine Frage, die in vielen Familien beim Abendessen fällt: Lehre oder Matura? Die Antwort auf der Bühne war eindeutig. 

Wer setzt sich durch? 

Moderator Christian Clerici erzählte zuerst von sich. Er wollte Automechaniker werden, setzte sich durch, lernte ein Jahr, „und dann haben sich die Eltern wieder durchgesetzt“. Walter Bostelmann, heute CEO von Kellner & Kunz, erlebte das Gegenteil: „Bei mir haben sich die Eltern nicht durchgesetzt.“ Seine Motivation war 1986 ehrlich unromantisch. Das Taschengeld reichte nicht fürs Fortgehen. 

Gelernt hat er dabei etwas anderes. Damals galt in vielen Unternehmen, dass Führungskräfte „mindestens einen Titel vor dem Namen“ brauchen. Für Walter war das Ansporn: „Du musst das über die Leistung zeigen, aber du brauchst auch ein Unternehmen, das es zulässt.“ 

Wie das Publikum dazu steht, hatte Wolfgang Eder vorher per Live-Voting abgefragt. 161 Teilnehmende schätzten im Schnitt, dass 33 Prozent der Jugendlichen in Österreich eine Lehre machen. Laut Statistik Austria sind es knapp 37 Prozent. Und auf die Frage, was man sagt, wenn das eigene Kind beim Abendessen „Ich mache eine Lehre“ verkündet, antworteten 40 Prozent im Saal: „Super.“ 

Ins kalte Wasser 

Paul Fuchs hat bei Headwall als Lehrling angefangen. Nach dreieinhalb Jahren ging er hinaus, rund 200 Tage im Jahr war er bei Kunden im Ausland. Dann holte er die Matura im zweiten Bildungsweg nach, studierte berufsbegleitend und leitet heute einen Technologiestandort des Unternehmens. Sein Punkt: Das alles braucht einen Arbeitgeber, „der das mit unterstützt, mitträgt“. Zurückgegeben hat er den Blick des Allrounders, der Fertigung, Technik und Kunden schon von innen gesehen hat. 

Walter machte daraus einen Rat an die Jungen im Saal: „Umso öfter du ins kalte Wasser springst, desto mehr kommst du mit Selbstvertrauen wieder zurück.“ Er habe immer Ja zu Chancen gesagt. Und wer selbst Lehrling war, wird als Chef anders akzeptiert, „wenn du halt selber auch einer von denen warst und auch noch immer einer von denen bist“. 

Christian Clerici mit Elisabeth Meixner, Christoph Prattes, Paul Fuchs und Walter Bostelmann

Formel 1 schaut nach Österreich 

Christoph Prattes, COO von Pankl Racing Systems, lieferte die Zahlen: 150 Lehrlinge, 11 Berufsbilder, eine neue Akademie. Pankl produziert an zwölf Standorten weltweit, aber „so ein System, wie wir es in Österreich bieten, den gibt es ja fast nur bei uns“. Formel-1-Teams aus England kommen vorbei, um sich anzuschauen, wie Pankl Fachkräfte ausbildet. Zu den Berufsbildern gehört übrigens auch der Koch. Die Pankl-Küche kocht Menüs aus den Ländern, in denen gerade das Rennen läuft. 

Die Schule ist mittendrin 

Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner holte die Debatte in die Klassenzimmer. „Die Kinder sind das Spiegelbild der Gesellschaft, und die Gesellschaft ist selbstbewusst geworden und fordernd auch.“ Ihr Appell: positiver über Bildung sprechen und Begabungen gezielter fördern. Bei der KI sieht Meixner die Schulen „mittendrin“. Jugendliche seien den Erwachsenen teilweise voraus, und in manchen Berufsschulen sinken die Schülerzahlen bereits, weil Betriebe Aufgaben künftig mit KI erledigen wollen. „Vielmehr geht es jetzt darum: Wo setzen wir sie ein?“ 

Die Unternehmen auf der Bühne sehen KI als Werkzeug. Für Paul ist sie „Enabler und Accelerator“, „aber natürlich mit dem klaren Gedanken: Es geht nicht um Ersetzen“. Walter will den Menschen auf dem Fahrersitz behalten. Und Christoph bleibt beim Motorsport Purist: „Motorsport ohne Menschen am Steuer wäre für mich nicht denkbar.“ 

Christian Clerici mit Norbert Adler

Mit der Fahne auf die Bühne 

Dann ging der Blick nach Shanghai. Norbert Adler, Fachgruppenobmann Spedition und Logistik der WKO Steiermark, kam direkt von den WorldSkills zurück. China bringe jedes Jahr rund zwölf Millionen Absolventinnen und Absolventen hervor und kämpfe trotzdem mit Fachkräftemangel. Der Unterschied zu Österreich liege woanders: „China hat eine riesengroße Wertschätzung gegenüber der beruflichen Exzellenz und gegenüber den Fachkräften. Und ich glaube, das müssen wir auch rüberbringen.“ Angst vor Abwanderung hat Adler keine, Anpassungsbedarf schon: Der Lehrberuf Spedition wird in den nächsten zwei Jahren überarbeitet, mit Resilienz, Nachhaltigkeit und Lieferketten im Fokus. 

Seine Antwort auf die Frage nach Vorbildern kam kurz darauf mit der Österreich-Fahne auf die Bühne: Paul Zadravec, Speditionskaufmann bei Kühne + Nagel und Österreichs Vertreter in Shanghai. In der siebten Klasse Gymnasium merkte er, dass die Schule „nichts für mich“ ist, und zwar nicht wegen der Noten. Seine vier Cousins und Cousinen gingen an die Uni, er in die Lehre. Die Mutter sagte sofort Ja, der Vater brauchte ein paar Monate. Heute heißt es daheim: „Gott sei Dank hast du eine Lehre gemacht.“ Sein Satz an alle in seinem Alter: „Ich war bei einer Weltmeisterschaft dabei, und das nur, weil ich eine Lehre gemacht habe.“ 

Golden Mind mit Norbert Adler, Paul Zadravec (Mitte) und Lehrlingen von Pankl Racing und KNAPP AG, Viktoria Zinner und Kajetan Bergles

Die nächste Generation am Mikro 

Den Schluss bekamen die, um die es ging. Viktoria Zinner, CEO von Golden Mind, und ihre Kollegin Ramona holten Lehrlinge von KNAPP und Pankl auf die Bühne. Sie erzählten vom Lehrlings-Meetup: Workshops, persönliche Coachings, E-Learnings und ein KI-gestütztes Gesprächstraining, in dem Fabian, Zerspanungstechniker bei Pankl, ein schwieriges Gespräch mit dem Chef geübt hat. Michael will die Lehre mit ausgezeichnetem Erfolg abschließen. Und Samuel, im dritten Lehrjahr bei KNAPP, hatte im Coaching an seiner Angst vor großem Publikum gearbeitet und stand dann vor einem vollen Saal. 

Christian gab ihm einen Satz mit, der für jede Bühne gilt: „Wenn du es gerne machst, dann merkt das dein Publikum.“ Ramonas Schlusswort war kürzer: „Wir sind die Zukunft.“

Golden Mind mit Lehrlingen von Pankl Racing und KNAPP AG

Fotocredits: ILS365 | CH-photo

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