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Wir kennen das Alter unserer Anlagen. Nicht das unserer Belegschaft | Biogena

Dieser Gastbeitrag wurde von Julia Hoffmann, COO der BIOGENA Group, verfasst. Darin zeigt sie, warum Longevity weit mehr als ein Gesundheitstrend ist und weshalb Regeneration, Prävention und nachhaltige Leistungsfähigkeit auf die Agenda moderner Führung gehören.

Die Biogena GmbH & Co KG ist ein österreichisches Familienunternehmen im Besitz von Gründer Dr. Albert Schmidbauer mit Sitz in Salzburg, Wien und Freilassing. Die 361° Health Company beschäftigt in der Gruppe über 380 Mitarbeitende, konzentriert sich auf die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Premium-Mikronährstoff präparaten und ist verlässlicher Wissenspartner im Bereich Gesundheit und Wohlbefinden sowie Biohacking und Osteoporose.
Die Präparate werden in Manufakturstandard nach dem Reinsubstanzenprinzip – ganz ohne künstliche Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Überzugs- und Trennmittel – in Österreich hergestellt und in über 70 Länder exportiert.


In Industrie und Logistik wird über Verfügbarkeit präzise gesprochen. Wir kennen die Ausfallwahrscheinlichkeit jeder Anlage, planen Wartungsfenster, investieren in Predictive Maintenance. Wer erst reagiert, wenn etwas stillsteht, hat zu spät reagiert.

Beim Menschen fehlt uns diese Präzision vollständig. Das Geburtsdatum unserer Mitarbeiter:innen kennen wir. Ihr biologisches Alter — das, was tatsächlich über Leistungsfähigkeit entscheidet — kennen wir nicht.

Longevity heißt nicht, länger zu leben

Das größte Missverständnis rund um Longevity ist die Gleichsetzung mit Lebensverlängerung. Es geht um die Differenz zwischen Lifespan und Healthspan: Die Lebenserwartung steigt seit Jahrzehnten, die Zahl der gesunden Lebensjahre hält nicht Schritt. In Österreich endet die gesunde Lebensspanne statistisch, bevor das Erwerbsleben endet.

Diese Differenz ist keine Naturkonstante. Das biologische Alter kann Jahre über oder unter dem kalendarischen liegen — messbar über Entzündungsparameter, Stoffwechselwerte, Muskelmasse, Mikronährstoffstatus. Und beeinflussbar, durch vermeintlich unspektakuläre Dinge: Schlaf, Krafttraining, Ernährung, gezielte Substitution dort, wo Werte fehlen. In unseren eigenen Auswertungen sehen wir, wie verbreitet Defizite selbst in hoch leistungsfähigen Belegschaften sind — mit direkten Effekten auf Energie, Konzentration und Krankenstände.

Longevity ist damit keine Lifestyle-Frage. Sie ist Kapazitätsplanung.

Fotocredit: Julia Hoffmann, Biogena

Female Longevity: Dort ist die Lücke am größten

Frauen leben länger als Männer und verbringen mehr Jahre davon in eingeschränkter Gesundheit. Dazu kommt eine Forschungslücke: Medizin wurde lange am männlichen Referenzkörper entwickelt — Symptombilder, Dosierungen, Diagnosewege. Beschwerden werden dadurch systematisch später erklärt.

Betriebswirtschaftlich wird das an einer Stelle teuer. Die Perimenopause fällt in die Jahre zwischen 45 und 55 — exakt in die Phase größter Führungsverantwortung. Schlafstörungen, Konzentrationsschwankungen und Erschöpfung werden dann selten als das gelesen, was sie sind. Viele Frauen deuten sie als persönliches Nachlassen und treten kürzer.

Was ein Unternehmen dabei verliert, ist kein Diversitätsziel. Es ist Führungserfahrung und jahrelang aufgebaute Fachkompetenz, die sich über Recruiting nicht ersetzen lässt. Female Leadership ernst zu nehmen heißt nicht, ein Programm aufzusetzen, sondern Karrierewege so zu bauen, dass sie eine ganze Berufsbiografie tragen — inklusive ihrer biologischen Realität.

Fotocredit: Biogena

Die Ressource, die in keiner Bilanz auftaucht

Nachhaltigkeit ist in zwei Jahrzehnten hochprofessionell geworden – aber fast ausschließlich für Material und Emissionen. Wir bilanzieren Stoffströme und messen Scope 1 bis 3. Für die Ressource, die all diese Systeme steuert, existiert nichts Vergleichbares. Dabei gilt dasselbe Prinzip: Verbrauch ohne Regeneration ist endlich. Der Substanzverlust zeigt sich nur später – in Fluktuation, Krankenstand und stillem Rückzug, wenn er nicht mehr korrigierbar ist.

Was daraus folgt, haben wir in ein eigenes Programm übersetzt: drei Module zu Bewegung, Ernährung und mentaler Belastung, für Betriebe ab hundert Mitarbeitenden. Die wichtigste Erkenntnis liegt nicht im Inhalt, sondern im Zuschnitt: Betriebliche Gesundheit scheitert, sobald sie verpflichtend wird, Verwaltungsaufwand erzeugt oder nach verkapptem Produktverkauf aussieht. Sie funktioniert, wenn die Einstiegsschwelle niedrig genug ist, dass Menschen freiwillig beginnen – und niedrig bleibt, dass sie dabeibleiben.

Je mehr Technologie, desto mehr Mensch

Eine Frage zieht sich durch das Programm dieser beiden Tage: Was bleibt der menschliche Hebel? KI übernimmt das Regelhafte, Wiederholbare, Dokumentierbare. Beim Menschen bleibt das Schwierigste: Urteilsvermögen unter Unsicherheit, Priorisierung bei widersprüchlicher Datenlage, Verantwortung bei unvollständiger Information.

Das sind exakt die Fähigkeiten, die bei chronischer Erschöpfung zuerst nachlassen. Schlafmangel trifft nicht die Fleißarbeit, er trifft Impulskontrolle und Risikoeinschätzung. In eng getakteten Lieferketten ist eine schlechte Entscheidung teurer als ein langsamer Prozess.

Führung beginnt bei Selbstführung

Ich führe ein Unternehmen mit hoher Schlagzahl und arbeite selbst weit über der Norm. Deshalb ohne moralischen Zeigefinger: Nicht die Stundenzahl ist das Problem, sondern die fehlende Regeneration dazwischen.

Selbstführung heißt, die eigene Kapazität so ernst zu nehmen wie ein Budget: zu wissen, was sie hergibt, und danach zu entscheiden. Das ist die unbequemste Führungsdisziplin — sie kontrolliert niemand, und sie hat keine Deadline.

Delegieren lässt sie sich nicht. Wer die eigene Regeneration nicht organisiert, wird auch keine Strukturen bauen, die die Regeneration anderer ernst nehmen — sondern Erschöpfung für den Normalzustand halten. Nicht die Uhrzeit entscheidet über die Kultur, sondern ob Erschöpfung als Preis gilt oder als Fehler.

Der Vorteil, den niemand kopieren kann

Technologie ist kaufbar, Prozesse sind kopierbar, Kapital ist beweglich. Nicht replizierbar ist eine Organisation, in der erfahrene Menschen über Jahrzehnte gesund, klar und entscheidungsfähig bleiben.

Drei Fragen, die ich jeder Führungskraft mitgeben würde: Wie hoch ist die Regenerationsrate in Ihrer Organisation? Wer Ihrer Leistungsträger:innen fährt gerade auf Reserve, ohne dass es in einer Kennzahl auftaucht? Und was wäre Ihr Unternehmen wert, wenn diese Menschen in zehn Jahren noch an Bord wären?

Darüber spreche ich am 15. Oktober in der Helmut-List-Halle.

Die BIOGENA-Unternehmensgruppe beschäftigt sich mit den Themen Gesundheit, Wohlergehen, Biohacking & Osteoporose-Prävention sowie mit Wissenschaft rund um diese Felder. Das österreichische Familienunternehmen hat seinen Hauptsitz in der Stadt Salzburg.

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