Philipp Pauer, Chief Executive Officer von REPLOID, gibt uns einen exklusiven Einblick, wie aus Reststoffen wertvolle Rohstoffe entstehen und warum sich Kreislaufwirtschaft auch wirtschaftlich rechnet.
Das Unternehmen entwickelt und implementiert dezentrale und hochautomatisierte Insektenmastanlagen, die direkt dort eingesetzt werden, wo organische Reststoffe anfallen. Larven der Schwarzen Soldatenfliege verwandeln diese Materialien in Proteine, Fette und organischen Dünger. So verbindet REPLOID biologische Prozesse mit industrieller Technologie und schafft aus vermeintlichem Abfall neue, regional nutzbare Wertstoffe. Im Gespräch erklärt Philipp Pauer, warum dabei nicht nur die ökologische Wirkung zählt, sondern vor allem ein skalierbares und profitables Geschäftsmodell.
Es gibt einen Satz, den ich in den vergangenen Jahren oft gehört habe: Kreislaufwirtschaft sei eine schöne Idee, aber wirtschaftlich nicht tragfähig. Insektentechnologie – nett, aber nicht rentabel. Ich verstehe, woher diese Skepsis kommt. Und ich bin überzeugt: Sie ist falsch.
In der Natur gibt es keinen Abfall. Was für den einen Organismus Reststoff ist, ist für den nächsten Nahrung. Die Biologie liefert den Prozess, wir entwickeln die Technologie zur Industrialisierung.
In der Wirtschaft bedeutet Abfall, dass Ressourcen nicht maximal ausgenutzt werden. Molke aus der Molkerei, Treber aus der Brauerei, Trester aus der Saftpresse: Überall, wo Lebensmittel entstehen, fällt etwas ab, das wir heute teuer entsorgen, signifikante CO2-Emissionen miteingeschlossen. Allein in Europa sind es rund 100 Millionen Tonnen Reststoffe pro Jahr. REPLOID hat eine Lösung – wir definieren das Entsorgungsproblem um in eine ungenutzte Ressource von gigantischem Ausmaß.

Fotocredit: Fabian Fallend
Ohne Wirtschaftlichkeit kein Kreislauf
Aber – und hier liegt der entscheidende Punkt – aus einem Reststoff wird erst dann ein neuer Rohstoff, wenn jemand einen wirtschaftlich tragfähigen Weg findet, diese Lücke zu schließen. Nicht aus Idealismus. Sondern weil es sich rechnet. Genau hier scheitern die meisten Kreislaufprojekte, denn sie bleiben Pilotprojekte. Gefördert und wohlgemeint, aber nicht profitabel.
Kreislauf beginnt beim Geschäftsmodell
Bei REPLOID haben wir nicht gefragt: Wie werden wir nachhaltiger? Wir haben gefragt: Wie bauen wir ein profitables Unternehmen, dessen Geschäftsgegenstand ein geschlossener Kreislauf ist?
Unsere Antwort: die Industrialisierung von Insektentechnologie, also dessen, was Insekten seit Millionen von Jahren erfolgreich machen. Das Herzstück unseres Geschäfts ist die ReFarmUnit – eine dezentrale, modulare, hochautomatisierte Anlage, die wir direkt beim Kunden errichten. Dort, wo die Reststoffe anfallen. In ihr verwerten die Larven der Schwarzen Soldatenfliege regionale Reststoffe der Lebensmittelindustrie. Eine einzige Anlage macht aus rund 9.500 Tonnen Reststoffen pro Jahr etwa 2.000 Tonnen Larven – wertvolles Protein und Fett – und über 2.200 Tonnen Insektenfrass, die Grundlage unseres organischen Düngers. Kein Abfall. Sondern hochwertige Rohstoffe.
Dass das nicht nur ökologisch, sondern ökonomisch funktioniert, belegen unsere Zahlen: Innerhalb von drei Jahren ist unser Umsatz von 0,7 auf voraussichtlich 38 Millionen Euro gewachsen – profitabel, mit einem erwarteten Jahresüberschuss von 9 Millionen Euro für 2025. Das zeigt, bei unserer Reststoffverwertung geht es nicht nur um Weltverbesserung, sondern um ein attraktives Geschäftsmodell.


Fotocredits: Fabian Fallend | REPLOID Group AG
Auf die Größe kommt es an
Das ist keine Selbstverständlichkeit. Unsere Branche hat viele Insolvenzen von ambitionierten Unternehmen gesehen. Einige produzierten nicht groß genug, um ausreichend Skaleneffekte zu erzielen. Andere haben Gigafabriken errichtet, finanziert mit enormem Kapitaleinsatz. Derartige Anlagen sind technologisch sehr komplex. Kostenseitig ist zu berücksichtigen, dass die zu verarbeitenden Reststoffe schwer und wasserreich sind. Wasser über weite Strecken zu transportieren, ist ineffizient.
Unsere Anlagen sind modular und dezentral – so bleiben wir agil und können skalieren. Wir verarbeiten Reststoffe dort, wo sie anfallen. Vor allem sind wir vertikal integriert und optimiert: von der Larvenzucht über Planung, Implementierung und Wartung von ReFarmUnits bis zur Vermarktung von Protein, Fett und organischem Dünger. Die Wertschöpfung bleibt im Haus, statt sie an Dritte zu verlieren.

Fotocredit: Fabian Fallend
Kreislaufwirtschaft ist Industriepolitik
Kreislaufwirtschaft ist mehr als ein Umweltkonzept. Europa importiert 30 Prozent seines Stickstoffs, 68 Prozent seines Phosphors und 85 Prozent seines Kaliums für Düngemittel und ist damit von globalen Märkten und geopolitischen Schocks abhängig. Wenn aus regionalen Reststoffen regionaler Dünger und regionales Protein werden, entsteht genau dort eine neue Form der Resilienz und Souveränität.
- Alle Glieder eines Kreislaufs müssen funktionieren.
- Logistik und Produktionskapazitäten müssen abgestimmt und optimiert sein.
- Der Output muss ein Produkt sein, das eine echte Nachfrage bedient – etwas, das Kunden kaufen, weil sie es brauchen, nicht weil es „grün“ ist.
- Der Preis des Produkts aus Kreislaufwirtschaft muss wettbewerbsfähig sein.
Am Ende zählt die Umsetzung
Ideen gibt es genug. Rar sind aber die, die daraus ein tragfähiges Geschäft machen. Regulierung setzt den Rahmen und Förderungen geben wichtige Impulse, aber gebaut wird der Kreislauf von Menschen mit unternehmerischem Mut, technologischer Innovationskraft und wirtschaftlichem Verstand.
Erst dieses Zusammenspiel macht aus dem Kreislaufgedanken ein Modell, das sich rechnet. Denn was aussieht wie das Ende einer Wertschöpfungskette, ist in Wahrheit der Anfang einer neuen. Forward for change.

REPLOID Group AG setzt selbstentwickelte, industrielle, dezentrale und containerbasierte Anlagen (ReFarmUnits) zur Verarbeitung organischer Abfälle durch Larven der Schwarzen Soldatenfliege („BSF“) ein. Diese ermöglichen ein effizientes Upcycling organischer Abfälle in hochwertige Proteine, Fette und Düngemittel.
REPLOID bietet eine End-to-End Lösung an, vom Input Sourcing bis zur Vermarktung der erzeugten Endprodukte.
